Theodor-Heuss-Realschule
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Segelflug AG - Abschluss
■ Foto: Pascal Eilrich 4 Stadtgespräch 2. Lokalseite
Segelflug AG - Abschluss
Wenn das Segelflugzeug nach der Landung nicht aus eigener Kraft bis an den Anfang der Startbahn zurückrollt, müssen die Segelflieger selbst Hand anlegen. • Fotos: Björn Othlinghaus
Segelflug AG - Abschluss
Bevor die THR-Schüler in die Luft gehen konnten, mussten sie die Theoretischen Grundbegriffe der Fliegerei im Klassenzimmer lernen.
Segelflug AG - Abschluss
Kay Zurmühl ist der erste Schüler, der ins Segelflugzeug steigt. Vorher gibt es eine ausführliche Einweisung durch Fluglehrer Siepmann-Hücking.
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Sicher gelandet.
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"Gerade das technische Wissen, das die Schüler vermittelt bekommen, berührt zahlreiche schulische Themenbereiche wie Mathematik und Physik und ist deshalb auch wichtig und interessant für den Unterricht."
Wolfgang Henze, pensionierter Lehrer und Segelflieger

THR-Schüler gleiten im Segelflieger übers Lennetal

Johannes Bott genießt während seines ersten Fluges im Segelflieger die luftige Aussicht auf das Lenneteal aus der Vogelperspektive. Bott gehört zu einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern , die am Segelflugprojekt der Theodor-Heuss-Realschule teilnehmen. Das ungewöhnliche Unterrichtsangebot verdanken die Jugendlichen der 9. Klassen Wolfgang Henze, der 40 Jahre lang Lehrer an der Theodor-Heuss-Realschule war und bereits seit 17 Jahren als Segelflieger aktiv ist.














Das Lennetal aus der Vogelperspektive

THR-Schüler schnuppern erstmals im Segelflieger Höhenluft / „Als wir in der Luft waren, war es cool"

Von Björn Othlinghaus
LÜDENSCHEID • Heute wird's ernst! Mehrfach musste der Termin auf dem Segelflugplatz mit Jugendlichen der 9. Klassen der Theodor-Heuss-Realschule wegen schlechten Wetters verschoben werden. Jetzt sind zehn der insgesamt 13 Schülerinnen und Schüler des THR-Segelflugprojektes nach Hüinghausen gekommen, um zum ersten Mal im Segelflieger Höhenluft zu schnuppern. Der kleine Flugplatz, der von der Fliegergruppe Plettenberg-Herscheid betreut wird, liegt ziemlich genau zwischen den beiden Gemeinden im Lennetal, umrahmt von viel Wald und Natur. Das Angebot, an einem Segelflugprojekt teilnehmen und später selbst in einem Segelflugzeug mitfliegen zu können, gibt es wohl nur an wenigen Schulen.



Möglich gemacht hatte es Wolfgang Henze, der 40 Jahre lang Lehrer an der Theodor-Heuss-Realschule war und seit 17 Jahren als Segelflieger aktiv ist. Nach seiner Pensionierung möchte er nun den Schülern die Schönheit dieser außergewöhnlichen Freizeitbeschäftigung näher bringen und vielleicht dafür sorgen, dass die Jugendlichen später über den kurzen Einblick, den die Schule bieten kann, hinaus Mitglied in der Fliegergruppe werden und auf den eigenen Flugschein hinarbeiten. Den kann man bereits mit 14 Jahren machen, unter bestimmten Voraussetzungen sogar schon früher.



Das Wetter ist zwar recht gut, aber für das Segelfliegen nicht hundertprozentig optimal. „Wie lange man in der Luft bleiben kann, ist stark von der Thermik abhängig", erklärt Gerd Eilrich, 2. Vorsitzender der Fliegergruppe. Theoretisch, so Eilrich, könne ein Segelflieger bei entsprechendem Aufwind viele Stunden lang "über den Wolken" verweilen, doch der Aufwind sei diesmal nicht besonders stark, so dass sich der Segler kaum höher als 300 oder 400 Meter in die Luft schrauben könne. „Da wird ein Flug voraussichtlich nicht viel länger als vier bis fünf Minuten dauern", schätzt Eilrich. Doch für das erste Flugerlebnis der Jugendlichen, die aufgeregt dem besonderen Erlebnis entgegenfiebern, reicht das völlig aus. Vor dem Flugtag gab es für die Schüler natürlich erst einmal „blanke Theorie" im Klassenzimmer, denn obwohl ein Fluglehrer mitfliegt und weitgehend die Kontrolle über das Flugzeug übernimmt, haben die Schülerinnen und Schüler nach der Startphase auch die Möglichkeit, den Flieger selbst zu steuern. Gemeinsam mit Andreas Hesse, Segelfluglehrer in der Fliegergruppe Pletten-berg-Herscheid, führte Wolfgang Henze den theoretischen Unterricht mit den Schülern durch.



Auf dem Flugplatz hat Andreas Hesse nun eine ganz andere Aufgabe. Im abgerockten, weinroten VW-Golf legt er heute viele Kilometer auf dem Gelände des Flugplatzes zurück, denn Hesse muss das Windenseil, mit dem der Segelflieger auf Höhe gebracht wird, nach jedem erfolgten Start an der etwa 850 Meter entfernten Startwinde (Windenfahrzeug) am anderen Ende des Flugplatzes abholen und es zum Startpunkt des Segelfliegers zurückbringen. Hier wird das rund ein Kilometer lange Seil dann eingeklinkt, bevor Windenfahrer Jörg Werda den Motor anwirft, dei das Seil zurückzieht und das Flugzeug mit hoher Geschwindigkeit in den Himmel steigen lässt.



Es wird ernst: Letzte Infos vor dem Start Nach der Begrüßung am Hangar und einem kleinen Spaziergang zum Startpunkt des Segelfliegers wird es für die Jugendlichen ernst. Auch Schulleiterin Christiane Langs-Blöink hat es sich nicht nehmen lassen, selbst dabei zu sein, wenn ihre Schüler das erste mal mit dem Segelflugzeug abheben. Jugendleiter Stefan Roicke und die beiden Fluglehrer Dieter Siepmann-Hücking und Pascal Eilrich, die mit den Jugendlichen fliegen, geben die letzten Infos und erklären wichtige Handgriffe.
Dann kann es losgehen — als erstes für Kay Zurmühl. Zunächst wird der Fallschirm angelegt, der neben der Sicherheit erst für einen bequemen Sitz im Segelflieger sorgt. „Es ist extrem selten, dass bei diesem Sport etwas ernsthaftes passiert, ich selbst habe noch nie eine Notsituation beim Fliegen erlebt", erklärt Gerd Eilrich. Wenn es aber notwendig wird, vorzeitig aus der Maschine auszusteigen und mit dem Fallschirm abzuspringen, muss derjenige, der vorne sitzt, Handgriffe ausführen, die der Hintermann für ihn nicht übernehmen kann. Diese Handgriffe bekommt Kay vor dem Start noch einmal erklärt, nachdem er vorne und Fluglehrer Pascal Eilrich im hinteren Teil der Kabine Platz genommen haben.



„Die Beschleunigung des Segelflugzeuges beim Start ist schneller als bei einem Porsche", stellt Gerd Eilrich klar, und genau diese Beschleunigung presst Kay Zurmühl nun in den Sitz, als er zu seiner ersten Reise in die Wolken abhebt. Nach einem fünfminütigen Flug hoch über den Wäldern rings um den Flugplatz landet der Segelflieger wieder sicher kurz vor seinem Startpunkt. Wie war es denn? „Am Anfang war ich erschreckt über die enorme Beschleunigung", meint Kay, „aber danach, als wir in der Luft waren, war es cool."



Jetzt ist Andreas Hesse wieder gefragt, und er brettert über die hügelige Wiese Richtung Startwinde, um das Seil zu holen. Auf dem Rückweg knallt's gewaltig. Der Haken am hinteren Teil des Fahrzeugs, an dem däs Seil befestigt wird, hat sich aufgebogen und seine Last freigegeben. Aber so etwas ist Alltagsgeschäft auf dem Flugplatz Hüinghausen.



Bei der Fahrzeugreparatur sind die Segelflieger nicht zimperlich und rücken dem alten Golf mit dem Vorschlaghammer zuleibe. Der kann das ab, da sind sich die meisten Anwesenden sicher. Und so fahren die Jugendlichen schon bald damit fort, das Lennetal aus der Vogelperspektive in luftiger Höhe zu erkunden. Obwohl es am Nachmittag zeitweise ein wenig regnet, sind alle fröhlich gestimmt, als sie später mit ihren Lehrern und Mitgliedern der Fliegergruppe Plet-tenberg-Herscheid noch ein Weilchen zusammensitzen, um ihre spannenden Erlebnisse beim Flugtag Revue passieren zu lassen.